Ihre Reaktion auf diese Extremsituation ist erstaunlich. Sie aktivieren ein uraltes Schutzsystem: die Heat-Shock-Proteine.

Diese dienen als Helfer, sogenannte Chaperone, für die gestressten Zellen. Sie erkennen beschädigte Proteine, stabilisieren sie, unterstützen sie dabei, ihre richtige Struktur wiederzufinden oder führen irreparabel geschädigte Proteine dem Abbau zu.

Die Heat-Shock-Proteine übernehmen also nicht die Arbeit anderer Proteine. Sie bauen nichts selbst. Sie sorgen lediglich dafür, dass andere ihre Funktion trotz extremer Belastung weiter erfüllen können.

Ist das nicht eine neuartige Perspektive auf Resilienz - auch für Unternehmen?

Demnach ist Resilienz nicht nur eine Eigenschaft einzelner Menschen, sondern Chaperone sind ein Mechanismus resilienter Organisationen.

Deshalb sollten Unternehmen in Krisenzeiten zunächst ganz bewusst in diejenigen Strukturen investieren, die anderen helfen, wieder leistungsfähig zu werden.

Dies wiederum eröffnet einen spannenden Blick auf die Rolle der Führungskraft. Sie hat die Aufgabe, die richtigen Unterstützungsmechanismen zum richtigen Zeitpunkt zu aktivieren – und sie lange vorher aufzubauen. Wenn Stress entsteht, muss das Unterstützungssystem bereits existieren. Die Krise aktiviert es lediglich.

Dazu gehören Vertrauen, gelebte Feedbackkultur, tragfähige Netzwerke, Mentoring, Communities of Practice oder erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die Orientierung geben und Wissen verbinden.

Gute Führung schafft solche Strukturen nicht erst in der Krise, sondern macht sie zum festen Bestandteil der Organisation. Denn Resilienz entsteht nicht erst unter Druck – sie wird in guten Zeiten aufgebaut.